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6.2.2012 : 21:34 : +0100

Standpunkte

Strategien des Web 2.0

Strategem: Über den Wassern schweben

  1. Exklusive globale Perspektive: Der einzige sein, der eine bestimmte globale Perspektive hat und sich den Zugang zu dieser globalen Perspektive exklusiv sichern.
  2. Branding: Diese Perspektive richtig branden, dh: sie bekannt machen und mit der öffentlichen Wahrnehmung von Vertrauen ausstatten
  3. Basisdienst: Einen weithin nachgefragten, hochskalierenden Basisdienst einführen. Der Basisdienst ist typischerweise frei verfügbar, verursacht im wesentlichen nur IT Kosten (Bsp: Kommunikation oder Speicherung) oder ist in sich selbst kostendeckend angelegt (Bsp: Retail). Er steht dem Nutzer in Selbstbedienung, insbesondere ohne Verursachung nicht gedeckter weiterer Transaktions- und Personalkosten zur Verfügung.
  4. Premiumdienst: Einen exklusiven Premiumdienst einführen. Der Premiumdienst wendet sich typischerweise an eine unterschiedliche Zielgruppe als der Basisdienst, profitiert von der exklusiven globalen Perspektive und verkauft sich daher mit größerem Profit.
Beispiele:

Suche: Google
Preis: Idealo, Geizhals
Blogger: Technorati
Web Nutzung: Alexa
Tangible Güter: Amazon

Strategem: Aufwands-Skalierung betreiben

  1. Aufgabe finden: Eine weit verbreitete Aufgabe suchen, die sehr viele Menschen immer wieder lösen müssen und für deren Lösung meistens eine Institution in Anspruch genommen wird.
  2. Skalierbare Lösung anbieten: Einen Weg finden, um bei der Lösung dieser Aufgabe zu helfen, bei dem der Zeitaufwand bei den Menschen anfällt, welche die Problemstellung gelöst haben wollen, und nicht mehr bei der Institution, die bei der Lösung der AUfgabe hilft.
  3. Motto: Wenn 6 Milliarden Menschen alle eine kleine Aufgabe für sich selber übernehmen, dann skaliert das viel besser, als wenn eine Institution diese Aufgabe für 6 Milliarden Menschen übernimmt.
Beispiele:

Bahnkarten: Verkauf im Internet statt Verkauf am Bahnschalter
Theaterkarten: Selbstdruck zu Hause statt Kauf im Kino
Geldverkehr: Überweisung per Online Banking und eigener Dateneingabe statt per Überweisung
Geldabheben: Eigenbehebung am Auszahlungsautomat statt auszahlen Lassen am Bankschalter
Flensburg Punkte: Einblick per Internet statt Beamter, der Einsichtsanträge entgegen nimmt und überprüft

Strategem: Feedback-Schleifen einbauen

  1. Feedback Mechanismen identifizieren: Inhaltliche und technische Möglichkeiten identifizieren, über welche die Leser Rückmeldungen zu den Inhalten geben können.
  2. Feedback aufgreifen: Die Rückmeldungen kurzfristig in die weitere Entwicklung der Site einbeziehen.
  3. Motto: Die Inhalte so gestalten, wie der Leser sie haben möchte und anstelle teurer Marktforschung das Zielpublikum selber formulieren lassen, wie es seine Inhalte haben möchte.
Beispiele:

Gästebuch Features:
Foren:
Blogs:
Leserbrief- und Diskussionsbereiche:
sind alles Bereiche hohen medialen Wachstums die gut angenommen werden.

Strategem: Perpetual Beta - Continuous Development

  1. Frühes Deployment: Mit der Lösung möglichst frühzeitig auf den Markt gehen, um einer der ersten im Branding Prozeß zu sein - auch wenn das Produkt erst im Beta-Stadium ist.
  2. Permanente Weiterentwicklung: Impulse zur Anpassung des Produkts sofort aufgreifen. Kleine und rasche Release Zyklen umsetzen. Prozesse und Deployment-Strukturen aufbauen, die sochce raschen Release Zyklen verarbeiten können.
  3. Gefahren: Ein instabiles System verschreckt die Kunden. Die Systemarchitektur stimmt nicht und man produziert Legacy Probleme.
  4. Stabilisierung: Erscheint die Gefahr, dem Kunden ein instabiles System zu übergeben, also zu groß, kann man mit zwei Bereichen arbeiten. In dem einen stellt man fertige Dienste ein, in dem zweiten präsentiert man die laufende Entwicklung.
  5. Motto: Es ist wichtig, ein gutes Produkt zu haben. Noch wichtger ist es, Prozesse zu haben, die laufende Innovation und Adaption gestatten. Im Interesse eines besseren Innovationsprozesses können kleine Abstriche an der Produktqualität gemacht werden.
Beispiele:

Die meisten Startups
Google: Google-Labs und der Prozess der "Graduation" von Prototypen über Beta-Stadien bis hinzu zur Integration als Hauptdienst auf der Homepage

Strategem: Produktdesign an der Aufmerksamkeits-Ökonomie orientieren

  1. Neue Produktionsfaktoren erkennen: Die klassischen Produktionsfaktoren der Volkswirtschaftslehre sind Arbeit, Kapital und Boden. In den letzten 20 Jahren ist Wissen als neuer Produktionsfaktor dazugekommen. Der wesentliche Engpaß, auf den wir derzeit zusteuern, ist Aufmerksamkeit - und damit Zeit. Betrachtet man wichtige Eckparameter in der IT-Technologie, so bewegen sich fast alle (CPU Leistung, Speichergröße, Stromverbrauch, Bandbreite, Preis usw.) auf mehr oder weniger exponentiellen Kurven nach oben oder unten - in die bessere Richtung. Die menschliche Kapazität zur Informationsverarbeitung, konkret die Aufmerksamkeits- und Zeitkapazität ist auf 24 Stunden pro Tag beschränkt und wird das auch noch auf absehbare Zeit bleiben. Jene Instututionen, die sich erfolgreich dieser Ressourcengrenze stellen, sichern sich langfristig einen zentralen Überlebensvorteil.
  2. Produktdesign anpassen: Ein Produkt, dh. insbesondere eine Benutzerschnittstelle, muß sich an der eingeschränkten Aufmerksamkeits- und Zeitkapazität seiner Anwender orientieren. Das kann geschehen durch Personalisierung (regelmäßige Vorgänge werden so präsentiert, daß sie schneller und leichter zugänglich sind), durch Filterung (Informationen, die für den Benutzer nicht von Bedeutung sind, können (halb)automatisch herausgefiltert werden), Bewertung (Informationen, die für den Benutzer wichtig sind, können von diesem deutlich sichtbarer herausgestellt werden), Peer-Grouping (Informationsfilterung und -bewertung kann auch durch Gruppen erfolgen, denen sich der Benutzer zugehörig fühlt, wodurch der Zeitaufwand zur bewertung und Filterentscheidung auf mehrere Personen verteilt wird).
  3. Captive Aufmerksamkeit nur mit Benutzer-Einverständnis. Captive Aufmerksamkeit ist unfreiwillig aufgebrachte Aufmerksamkeit, die angesichts einstürzender Gebäude die Menschen zwingt, ihre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Bedrohung zu richten. Bewegtbilder bei Online-Werbung sind (negative) Beispiele captiver Aufmerksamkeit. Stimmt man dem Grundprinzip der Aufmerksamkeits-Ökonomie zu, so ist diese Form captiver Aufmerksamkeit Diebstahl von Zeit und damit Diebstahle einer zentralen Ressource. Unternehmen, die langfristig am Markt agieren und an höherer, laufender Wertschöpfung mit Kunden interessiert sind, sollten auf solche Maßnahmen verzichten (insbesondere auch, da Filter wie Flash- und Adblocker zunehmend solche Störungen ausblenden).
Beispiele:

Personalisierung: Google Suchseite, Google News
Filterung: Ad Blocker, Flash Blocker, Spam Filter
Bewertung: Bookmarks, Favoriten, Top10-Listen, Playlists
Peer-Grouping: Social Bookmars, Ranking wie bei ebay und www.digg.com